Über Denkmalschutz und Bewusstseinsbildung

Mit dem Denkmal verbinden sich durchweg geschichtliche Erinnerungen. Es sind zunächst Bauten gemeint, die Auskünfte über vergangene Verhältnisse geben, die eine kulturelle und soziale Bedeutung für die Gegenwart haben und für die Identifikation mit der eigenen Heimat auch in Zukunft unverzichtbar sind.

Über die Jahrhunderte hin hatten solche Bauten sicheren Bestand vor allem durch ihre fortwährende Nutzung. So waren die Kirchen ohne Unterlass Gemeindezentren und Orte für Gottesdienst, Sakramentenspendung und Andacht; die Schlösser wurden von ihren Besitzern bewohnt, von Generation zu Generation vererbt und erhalten. Man musste bei ihnen nicht von Denkmalpflege sprechen, die Wertschätzung solcher Bauwerke galt den Besitzerfamilien als fraglos selbstverständlich.

Wenn die Nutzung fortfällt …

Anders verhält es sich mit Bauwerken, deren Nutzung sich wandelt oder verloren geht. Das waren vor Jahrhunderten die Burgen, deren Bedeutung angesichts der aufblühenden Städte schwand und deren ehemalige Sicherheit eine neue Waffentechnik untergrub. In den neuzeitlichen Jahrhunderten erging es den Befestigungsanlagen der Städte ähnlich: Mauern, Türme, Tore und Wälle verloren ihre Schutzfunktion; sie verfielen und wurden aufgegeben, als neue Bauinteressen ihren Platz beanspruchten. Soweit dennoch solche Wehranlagen erhalten blieben, standen sie gewöhnlich im Denkmalschutz der Armut, wie dies für die besterhaltenen Stadtbilder in ganz Europa gilt. Ein ähnliches Schicksal lässt sich an alten Klöstern ablesen. Als 1803 im Reichsdeputationshauptschluss zahlreiche Klöster aufgehoben wurden, fielen die meist stattlichen Bauten mit ihrem reichen und wertvollen Inventar oft abenteuerlichen Fremdnutzungen und Interessen zum Opfer. Großartige Klosterkirchen wurden als Steinbrüche genutzt, oder – wie der zisterziensische Altenberger Dom – zu Lagerräumen oder Fabriken degradiert. Andere Kunstwerke von Weltrang wie etwa die Wieskirche verdanken ihren Erhalt nicht kirchlicher und staatlicher Fürsorge, sondern lokalen Engagements oder auch nur Zufällen. Auch Umnutzungen, einerlei wie sinnvoll oder absurd diese jeweils waren, haben bisweilen wertvolle Bauwerke gerettet. Bauten von nobler Architektur wurden zu Werkstätten, Fabrikationsräumen, Schulen, Heilanstalten, Justizvollzugsanstalten und ähnlichem mehr degradiert … Über solche Verlegenheitsnutzung verfiel die bauliche Substanz, wurde schließlich als Belastung und Schandfleck betrachtet und manchmal nur in letzter Minute durch einzelne Bürger vor dem Abriss gerettet. Wenn dann aber die aufwendige Restaurierung unter großen Mühen gelang, saßen jene, die dagegen gestimmt hatten, meist unter den Honoratioren in der ersten Reihe. Wer mit Denkmalpflege zu tun hat, kann diese Beobachtung auch heute immer wieder machen.

Damit ist das eigentliche Problemfeld der Denkmalpflege schon benannt: es wird von jenen Objekten bestimmt, deren ursprüngliche Nutzung verloren ging oder durch veränderte Einstellungen ihre Wertschätzung im öffentlichen Bewusstsein einbüßte. Dies gilt zum Beispiel für alte Backhäuser, Mühlen, Scheunen, Ställe und hat nicht zuletzt auch vielen bäuerlichen Fachwerkhäusern die Geringschätzung ihrer Besitzer eingetragen, als in den 60er und 70er Jahren andere Vorstellungen vom Wohnen um sich griffen.

Zur Geschichte des Denkmalbegriffs

Die hohe Abhängigkeit des Denkmalschutzes vom herrschenden gesellschaftlichen Bewusstsein kennzeichnet bereits die Geschichte des Denkmalbegriffs. An den vor etwa hundert Jahren dokumentierten Objekten lässt sich das damalige Denkmalbewusstsein deutlich ablesen: Erfasst wurden durchweg die alten Kirchen, Burgen und Schlossanlagen, auch hervorstechende Bürgerhäuser bis zum 16. Jahrhundert. Noch so bedeutsame und schöne Wohnhäuser späterer Zeit oder gar Werkstätten bzw. Industrieanlagen waren mit dem damaligen Denkmalverständnis kaum vereinbar. Im Bereich der kirchlichen Baudenkmäler sind Bauten, Skulpturen und Ausstattungen der Barockzeit erst seit den 1920er Jahren – schrittweise – Denkmälern aus dem Mittelalter gleichgestellt worden. In den Wiederaufbaujahren nach 1945 hat man in Köln barocke Veränderungen in romanischen Kirchen zugunsten eines Rückbaus auf die frühesten Verhältnisse gefördert, wie die Baugeschichte von St. Pantaleon belegt. Die Erhaltung und Wiederherstellung von Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts wurde insgesamt mit geringerer Motivation und Sorgfalt betrieben. Noch langsamer setzte sich eine Neubewertung der lange geschmähten Kunst des Historismus durch, also neoromanischer und neogotischer Kirchen und Bauwerke. Als dann aber die Anerkennung dieser Kirchen und Hausbauten schließlich erfolgte, vervielfachte sie auf einen Schlag die Zahl der Denkmäler und erschreckte damit nicht nur ältere Denkmalpfleger, sondern auch jene, die im Bereich der Stadtplanung und Bauaufsicht tätig waren. In den 80er Jahren traten schließlich die Wiederaufbauleistungen der 50er Jahre in den Blickpunkt der Denkmalpflege. Man erkannte, dass dieses Jahrzehnt eine inzwischen abgeschlossene Geschichts- und Bauepoche ist, deren wissenschaftliche Erfassung und Bearbeitung, trotz der immensen Erweiterung des Aufgabenbereichs, unumgänglich ist. Dass im Verlauf des vergangenen  Jahrhunderts sich natürlich über die genannten Stilepochen hinaus der Denkmalschutz auf Industrieanlagen, Werkstätten und vielerlei Einrichtungen des alltäglichen Lebens als Dokumentationen zurückliegender Lebenskultur ausgedehnt hat und somit noch einmal die Reichweite des Denkmalschutzes ausdehnt, wird im Gang der weiteren Ausführungen hinreichend konkret.

Dieser Blick auf die Geschichte des Denkmalschutzes zeigt, dass der Denkmalbegriff nicht ein für allemal definiert werden kann. Er ist variabel und mit einer stetigen Fortentwicklung verbunden. Er zeigt, dass der Abstand zu einer bestimmten Zeit notwendig ist, um ein Urteil über die Denkmalwürdigkeit der Schöpfungen dieser Zeit fällen zu können.

Erst im 19. Jahrhundert erwachte der Sinn für Geschichte

Dass es überhaupt Denkmalschutz geben muss, ist allerdings erst eine – geschichtlich gesehen – junge Überzeugung. Als das Christentum über die hellenistisch-römische Welt siegte, hatte man keine Skrupel, die wunderbaren antiken Tempel zu zerstören oder zerfallen zu lassen. Ebenso waren die Pyramiden Ägyptens, die Palastanlagen Kambodschas, die Stufentürme der Maya, die Steinmetzwunder der Inka … über Jahrhunderte wie Jahrtausende dem natürlichen Verfall ebenso ausgeliefert wie jedweder Plünderung. Auch in der christlichen Geschichte Europas ging man mit dem Erbe der Vorfahren überwiegend sorglos um: Man baute romanische Bischofskirchen und riss sie wieder ein, um eine gotische Kathedrale an ihre Stelle zu setzen; man wurde der romanischen und gotischen Kirchen leid und begann sie bedenkenlos zu barockisieren. Man fand die altehrwürdigen romanischen Kirchen nicht nur zu eng, sondern auch nicht hinreichend repräsentativ, sorgte mancherorts für ihre Zerstörung und stellte eine neugotische Kirche an ihren Platz. Ein ähnliches Schicksal ist vielen Objekten im Land beschieden gewesen. Erst im 19. Jahrhundert erwachte der Sinn für Geschichte und für den Wert und die Würde geschichtlicher Zeugnisse. Man erkannte: Eine Menschheit, die ihr Erbe nicht schützen und bewahren wollte, würde sich von ihrer eigenen Herkunft abschneiden und damit zunehmend auch Identitätsprobleme bekommen. So setzten nun umfassende Rettungsaktionen ein; es entstanden die großen Sammlungen der Weltkunst, der Archäologie, auch der handwerklichen und technischen Kultur, und zwar nicht nur in Berlin, Rom, Paris, Madrid oder London, sondern ebenso in der Aufarbeitung und Konservierung der kleinräumigen Geschichte, was bei uns zu vielen regionalen und lokalen Museen, heimatkundlichen Sammlungen und Archiven geführt hat. Das Interesse, das diesen Museen und Sammlungen entgegen gebracht wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich in die Breite entwickelt. Das zeigen nicht nur die Besucherzahlen sondern auch neu aufkommende Bestrebungen, die beispielsweise dazu führten, längst aufgegebene Bauten aus ihren ruinösen Verhältnissen in überregionale Bezüge zu stellen, Museums- oder Trägervereine zu gründen, um das je gesammelte und aufbereitete Erbe zu bewahren und zu vermitteln.

Denkmalschutz und Bewusstseinsbildung

In diesem heute allgemein gewachsenem Geschichtsbewusstsein findet der Denkmalsschutz seine eigene Absicherung. Das heißt, der beste Schutz von Denkmälern und die sicherste Garantie ihrer Pflege besteht in einem möglichst breiten Bewusstsein, dass diese Zeugnisse der Vergangenheit so schätzt, dass ihre Gefährdung gar nicht erst eintritt. Wenn man aber bedenkt, wie in den 60er und 70er Jahren sich eine Desorientierung entwickelte, die zahlreiche Menschen bewog, sich von ihren alten Haustüren, Truhen, Schränken und anderem Hausrat zu trennen, um an ihre Stelle wertlose wenngleich „moderne“ Massenwaren zu setzen; wenn man zählt – wie heute noch in jedem Dorf überprüfbar–, in wie vielen Fachwerkhäusern die zugehörigenen Fensterformate gegen querliegende und überdimensionierte Kunststofffenster ausgetauscht wurden, zeigt sich zugleich, wie stark ein vorhandenes Bewusstsein durch modische Trends und wirtschaftliche Manipulation im Handumdrehen verändert werden kann. Es gibt keine Sicherheit, dass unser heutiges Denken auch die Generation unserer Kinder und Enkel noch bestimmt. Darum gehört zu einem wirksamen Denkmalsschutz Öffentlichkeitsarbeit in jeder Form: durch Vorträge, Bücher, Zeitschriften, Fotos, Ansichtskarten, Kunstführer, Führungen und dergleichen mehr. Was wir regional in dieser Hinsicht leisten, ist also immer auch Arbeit für einen effizienten Denkmalschutz.

Weil aber alle diesen Bemühungen nicht ausreichen und mancher Zeitgenosse für ein  geschichtliches Denken und Bewahren keine eigene Wertschätzung aufbringt, ist es wichtig, dass zu einer breiten Bewusstseinsbildung der gesetzliche Denkmalschutz tritt. Damit verbunden ist ein striktes Erhalt-, Nutzungs- und Erlaubnisgebot, das sich – im Zusammenhang mit dem Zumutbarkeitsbegriff – als Instrument für eine wirksame Denkmalpflege bewährt. Das Wagnis des Denkmalschutzgesetzes NRW, die Gemeinden als Untere Denkmalbehörden mit umfassenden Rechten und Pflichten auszustatten, hat sich als ein Beitrag zur Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung, des Heimatbewusstseins und des Bürgerengagements erwiesen.

Viele Städte und Landkreise versuchen, all diese Bemühungen aufzufangen und durch die Erarbeitung repräsentativer Bildbände über die Bau- und Kunstdenkmäler der Region zu unterstützen. Wurden vor hundert Jahren vor allem Kirchen und Kapellen mit ihrer zugehörigen Ausstattung wahrgenommen, so müssen heute Häuser, gewerbliche Einrichtungen, Dorf- und Stadtbilder, regionaltypische Siedlungsformen und Ensembles, historische Straßen, Meilensteine, Wegkreuze, Bildstöcke und vieles mehr in Bild und Text dargestellt werden, was gewissermaßen zu einer kulturgeschichtlichen Gesamtszenerie führt.

Der ländliche Bereich

Solche Projekte lenken die Aufmerksamkeit auf den ländlichen Bereich: Die Dörfer und kleinen Ortslagen haben bisher im Bereich der Denkmalpflege keine vergleichbare Aufmerksamkeit und konzeptionelle Zuwendung gefunden, wie dies in den Städten und Ballungskernen der Fall ist. Darum ist noch ein Wort zur Konzeption der Denkmalpflege in den Dörfern sagen.

Zunächst wird es dem Grundgedanken des Denkmalschutzes nicht gerecht, wenn nur in der Fixierung auf Einzelobjekte gedacht wird. In Frankreich ist es zum Beispiel so, dass in den Denkmalschutz eines Hauses auch dessen Umgebung einbezogen wird. Das geht so weit, dass im näheren Umfeld eines geschützten Objektes kein Schwimmbecken mit hellblauem Anstrich geduldet wird. Man verlangt eine zurückhaltende Farbe, die nicht grell hervorsticht. Unter einem solchen Gesichtspunkt sind Entwicklungen zu bedauern, die zur Verstädterung unserer Dörfer führen. Dies zeigt sich in schleichenden Prozessen, die der alten Bausubstanz des Dorfes schrittweise neuen Ausdruck geben, vor allem durch die Verwendung neuer „pflegeleichter“ Materialien und industrieller Serienprodukte, aber auch durch eine Baugesinnung, die dem gewachsenen Charakter des Dorfes fremd ist. Die Denkmalpflege auf dem Dorf ist in der Krise, weil das Dorf selbst in der Krise ist, wie sich an zahllosen Erscheinungen ablesen lässt.

Das Problem unserer Dörfer kann eine Orientierung an falschen Vorbildern sein. Es fehlt im Gegensatz zu städtischen Bauplanungen immer noch der Beitrag der Architektur zu einem landschaftsverbundenem und dorfgerechten Bauen. Im gewerblichen Bereich stören die überdimensionierten Reklamen, beispielsweise für einen Lebensmittelmarkt, der sowieso keine Alternative hat. Auch die neonbeleuchtete Werbung für Sparkassen und Volksbanken belastet das Dorfbild. Kommen noch Peitschenlampen an den Straßen oder auch die falsche Romantik des sogenannten „altdeutschen“ Stils hinzu, die Möblierung des öffentlichen Raums mit aufgemauerten Pflanzbecken oder Waschbetonkübeln, so ist bereits genug getan, dem Dorf jeden eigenen Charakter zu nehmen.

In vielen Dörfern fehlt die Sensibilität für gestalterische Möglichkeiten. Diese wäre um so eher zu erreichen, je mehr die Einsicht wächst, dass die Dorfgemeinschaft selbst in erster Linie für das Gesicht des Dorfes und seine Verbesserung verantwortlich ist. Dann käme man vielleicht dazu, eine Ortsbildanalyse zu erstellen, um auf dieser Grundlage das Konzept für die Entwicklung eines dorfgerechten Gestaltungsplans zu erarbeiten. Dazu gehören als Ausgangspunkt die Grundstücksstruktur als Rahmen für die bauliche Entwicklung, sodann verbindliche Regeln für die Gestaltung der Dachlandschaft, die Gestaltung der Hausfassaden und ihre Farbgebung unter Eingliederung von Um- und Neubauten in das historisch gewachsene Ortsbild. Ganz entscheidend ist dabei die Anpassung der Fenster und Türen an die überkommenen Formen.

Am wenigstens kann von der Einbettung des Dorfes in seine landschaftliche Umwelt abgesehen werden. Jede Siedlung muss hier mit erhöhter Aufmerksamkeit achtgeben: dass Neubauzeilen nicht beliebig vom alten Kern in die Landschaft ausbrechen; dass Gewerbebauten in Form und Farbe die Maßstäblichkeit des Dorfes nicht brechen; dass Gärten, Hecken, Zäune und große Bäume alle Bauwerke miteinander verbinden; dass die Ortsein- und -ausfahrten bewusst gesehen und gestaltet sind; dass das Dorf nicht in die Landschaft hinein zerfranst, sondern eine geschlossene Kontur bewahrt …

Denkmalschutz, der sich auf Einzelobjekte beschränkt, ist zu schmal angesetzt

Erst in diesem Rahmen werden die historischen Denkmäler eines Dorfes ihre angemessene Beachtung finden. Es nutzt ja die bedeutendste Kirche nichts, wenn der Kirchenvorstand die Verschwisterung von Turm und Linde missachtet und ohne sorgfältige Erörterung mit allen Dorfbewohnern und den darüber hinaus Beteiligten einfach einen Trupp mit Kettensäge ordert. Die Kirche, die Kapelle, die Schule, alte Wohnhäuser, Scheunen und Ställe verlieren auch an Denkmalwert, wenn sie nicht in ihre Umgebung verträglich eingebunden bleiben. Darum ist ein Denkmalschutz, der glaubt, sich auf das konkrete Objekt beschränken zu können, immer zu schmal angesetzt.

Viele Dorfbewohner sind der Ansicht, ihr Dorf besäße keinen Denkmalwert, weil kein einziges Objekt in die amtliche Denkmalliste eingetragen ist; sie sehen nicht, dass bereits das Dorf selbst einen solchen Wert verkörpert: von seiner Lage, Gestalt und Geschichte her. Und fast immer übersehen sie auch die vermeintlich „kleinen“ Denkmale, verstreut zu findende Geschichtszeugen wie Grenzsteine, Kreuze, Bildstöcke und Privatkapellen, Mahnmale, Kriegerdenkmäler und alte Grabsteine, auch Kreuzwegstationen, die in die Landschaft führen. Diese kleinen und manchmal „beweglichen“ Denkmale halten die Geschichte eines Dorfes wach, erzählen Geschichten, ohne die das Bewusstsein und Leben der Menschen flacher würde. Im ländlichen Bereich sind solche kleinen Dinge durchweg die eigentlich prägenden und gestaltenden Elemente; als religiöse Denkmäler die lebendigen Zeugen des Glaubens, meistens verbunden mit dem Leben und Schicksal der Vorfahren. Oft werden sie mit Blumen oder Grün geschmückt, doch verlangen sie auch eine sorgfältig gestaltete Umgebung, damit sie nicht in eine Beiläufigkeit geraten, in der sie übersehen, missachtet oder vergessen werden.

Der Blick auf all die Zeugnisse vergangener Zeit nimmt die Vergangenheit in die Gegenwart hinein. Die Fülle der Denkmäler spannt unser Land und unser Leben in Beziehungen, die es bereichern und immer wieder neu anregen. Wollten wir uns vorstellen, es sei möglich auf alle diese Werte zu verzichten, in welchem Land wären wir dann? Würden dann Häuser, Straßen, Dörfer, Städte noch Geschichte haben und Geschichten erzählen? Gäbe es dann noch regionale Identität? Wir müssen alles tun, um den überkommenen Reichtum zu bewahren, weil er uns hindert, im geschichtslosen Niemandsland uns selbst zu verlieren.