Vita

Hubertus Halbfas, im Sauerland beheimatet, machte 1952 in Olpe Abitur und studierte anschließend Philosophie und Katholische Theologie in Paderborn und München. Von 1957 bis 1960 war er Vikar in Brakel (KreisHöxter). Danach bis 1967 Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Paderborn. 1964 promovierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Theoderich Kampmann mit einem Thema über das Verhältnis von Jugend und Kirche. Mit seinem Buch „Der Religionsunterricht“ (1965) machte er auf die Diskrepanz zwischen dogmatischer Theologie und einer nicht ebenso vermittelten historisch-kritischen Bibelkenntnis aufmerksam. Sein Buch „Fundamentalkatechetik. Sprache und Erfahrung im Religionsunterricht“ (1968) initiierte wesentlich die sog. hermeneutische Wende der Religionspädagogik. Eine intensive Debatte folgte.

Wegen eines zu gleicher Zeit erschienenen Unterrichtsprotokolls zu Mt 14,22 ff. „Über Wasser wandeln“, in dem Halbfas sein Verständnis biblischer Symbolsprache verdeutlichte, widersprach der Kölner Kardinal Frings seiner Berufung von Reutlingen nach Bonn. Der Paderborner Erzbischof, Kardinal Jaeger, erwartete, dass er sich von der „Fundamentalkatechetik“ distanziere und keine neue Auflage mehr gestatte. Da Halbfas sich weigerte, dieser Erwartung nachzukommen, ohne dass über das Recht seiner Darstellung argumentativ gesprochen worden sei, ergaben sich einzelne Vorladungen mit dem Ergebnis, dass ihm die Deutsche Bischofskonferenz die kirchliche Lehrerlaubnis entzog, um „Grenzen abzustecken, die in diesem Buch überschritten sind.“ In Folge dieser Auseinandersetzung stellte Halbfas einen Antrag auf Laisierung, der in Rom sofort akzeptiert wurde. Das Kultusministerium Baden-Württemberg schloss sich den Konsequenzen dieser Entscheidung nicht an, sondern bestätigte Halbfas als Professor für katholische Theologie und Religionspädagogik.

In den 1970er Jahren konkretisierte Halbfas seinen 1968 vorgelegten Brückenschlag zwischen Theologie und Literatur mit dem Lesebuch „Das Menschenhaus“. Anschließend erweiterte er das Spektrum seines Faches mit dem religionsgeschichtlichen Lesebuch „Das Welthaus“. In den 1980er Jahren initiierte er (neben Peter Biehl u. a. auf evangelischer Seite) noch einmal eine didaktische Neuorientierung, die unter dem Stichwort „Symboldidaktik“ den Religionsunterricht beider Konfessionen wesentlich beeinflusste. Sein weitergefasstes Ziel war, die Sprache der Religionen in ihrem metaphorischen und symbolischen Charakter bewusst zu machen und zugleich die spezifische Wahrheit sprachlicher Formen wie Mythos, Märchen, Sage, Legende, Gleichnis unterrichtlich zu erschließen. Er realisierte sein Konzept in einem Unterrichtswerk für das 1. bis 10. Schuljahr (mit Jahrgangsbüchern, Lehrerhandbüchern, Arbeitsheften und Diareihen) das sich als religiöse Sprachlehre versteht und auch Schulleben, Literatur und Kunst einbezieht. Sein 2012 erschienenes Buch „Religiöse Sprachlehre“ hat die 1968 begonnene Linie zu einem gewissen Abschluss geführt.

Im Jahrzehnt von 2002 bis 2012 erschien von Hubertus Halbfas ein umfassendes Grundlagenwerk mit den Bänden „Die Bibel“ (2002), „Das Christentum“ (2005) und „Der Glaube“ (2010), eine Summe kritischer theologischer Forschung und Reflexion. Die anschließende Schrift „Glaubensverlust“ (2011) beschreibt die sich verstärkende Kirchenkrise als Glaubenskrise, auch hier unter dem Aspekt einer Sprache, die ihre Inhalte nicht mehr vermittelt. In dem darauf folgenden Buch „Religionsunterricht nach der Glaubensverlust“ (1012) konkretisiert Halbfas seinen Befund für Religionsunterricht und Katechese: Wenn der christliche Glaube noch einmal existentielle Relevanz gewinnen solle, sei nicht länger vom dogmatischen System auszugehen, vielmehr müsse das Evangelium Jesu – das keine Lehre sondern ein Lebensmodus sei – aus tausend Überfremdungen neu zur Sprache gebracht werden.

Der Religionspädagoge Hubertus Halbfas ist zugleich in der Heimatarbeit des Sauerlandes engagiert. In den Zeitschriften SAUERLAND und SÜDSAUERLAND schreibt er über Architektur, Denkmalschutz und aktuelle Themen der Region.